Charlottenburg entstand vor gut 300 Jahren auf dem Reißbrett. Zur Erinnerung an seine verstorbene Frau Sophie Charlotte kreierte Friedrich I. die neue Stadt an der Spree – kurz nachdem die Mark Brandenburg Königreich geworden war. Dank der Königin besitzt der Bezirk im Westen auch das größte und schönste Schloss Berlins. Neben dem barocken Zeugnis preußischer Hofkultur hat sich in den letzten Jahren hier ein dritter Standort der Kultur entwickelt. Mit den zwei hochkarätigen Gemäldesammlungen Berggruen  und Scharf-Gerstenberg sowie dem Bröhan Museum ist Charlottenburg Berlins Zentrum für die Kunst der klassischen Moderne.

 

Es begann mit einem kleinen Lustschloss, welches sich Kurfürstin Sophie Charlotte ab 1695 in schöner Spree Lage errichten ließ. Als sie 1705 starb, verlieh Friedrich I. der kleinen Siedlung vor dem Schloss die Stadtrechte und entwarf mit Baumeister Johann Friedrich Eosander von Göthe die Residenzstadt Charlottenburg – eine Huldigung an seine Gemahlin. Der schwedische Baukünstler zeichnet einen barocken Grundriss mit rechtwinkligen Straßenraster und einer großzügigen Sichtachse, die auf das Schloss zuläuft. Nach dem Verlassen des U-Bahnhofs Richard-Wagner-Platz sollte man zunächst das bürgerliche Charlottenburg erkunden – die Urzelle einer Gemeinde, die vor dem Ersten Weltkrieg zur zweitreichsten Stadt Preußens aufstieg. Deshalb nähern wir uns dem Schloss über die Schustehrusstraße. Nach kurzer Zeit findet man kurz hinter der Wilmersdorfer Straße eines der Häuser, die sich Eosander von Göthe für Charlottenburg ausdachte. Das eingeschossige, grünlich gestrichene Gebäude an der Schustehrusstraße 13 ist zugleich das älteste erhaltene Wohnhaus der barocken Idealstadt. Es entstand im Jahr 1712. Um 1800 wurde es umgebaut. Hinter dem Vorderhaus befindet sich im idyllischen Hof das Keramik-Museum Berlin. Zwei weitere Bürgerhäuser, die nach dem Eosander-Modell von 1705 errichtet wurden, befinden sich in der Haubachstraße 8 und Haubachstraße, Ecke Wilmersdorfer Straße.

 

Berlins größtes Schloss entstand in rund 100 Jahren in mehreren Etappen, wobei alle zu jener Zeit engagierten Baumeister Preußens ihren Beitrag hierzu leisteten. Nach Plänen von Johann Arnold Nering wurde 1695 – 99 zunächst der mittlere Teil – noch ohne Turm – als Sommersitz für die Gemahlin des Kurfürsten Friedrich III. (später König Friedrich I.), Sophie Charlotte, gebaut. Nach dem Tod Nerings fügte Martin Grünberg die beiden Seitenflügel an den Mittelbau an. Als die Kurfürstin zur ersten Königin Preußens aufstieg, beauftragte sie Eosander von Göthe damit, ihren bescheidenen Sommersitz zu einem repräsentativen Domizil auszubauen. Dem barocken Übermut jener Zeit entsprechend, bekam das Schlösschen ab 1701 die beiden Seitenflügel, die mit einem Gitter den Ehrenhof bilden, und den 48 m hohen prachtvollen Turm mit Kuppel, Laterne und der vergoldeten Glücksgöttin Fortuna. Als Sophie Charlotte 1705 starb, wurden Residenz und neu gegründete Stadt nach ihr benannt. Bis 1713 fügte Eosander von Göthe noch die langgestreckte Große Orangerie an der Westseite des Ensembles an. Erst unter Friedrich dem Großen wuchs Charlottenburg weiter. Als Pendant zur Orangerie setzte Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff an der Ostseite bis 1746 den Neuen Flügel – ein Werk im friderizianischen Rokoko-Stil. Zu guter Letzt baute Carl Gotthard Langhans 1787 – 91 ein Schlosstheater direkt westlich der Orangerie. Damit erstreckt sich die gesamte Schlossanlage auf einer Länge von rund 500 m.

 

Auf dem Portal zum Ehrenhof stehen zwei borghesische Fechter Spalier. Der barocke Ehrenhof scheint wie für das Reiterstandbild des Großen Kurfürsten geschaffen. Das herausragende Werk von Andreas Schlüter stand jedoch einst am Stadtschloss in Berlins Mitte. Nachdem es wegen des Bombardements im Zweiten Weltkrieg abgebaut worden war, landete es nach Kriegsende im Westteil der Stadt – und hat seitdem einen angemessenen Platz in Charlottenburg. Die 1696 – 1709 erschaffene Statue ist eines der bedeutendsten Reiterdenkmäler des Barock. Am Marmorsockel sind symbolisch die vom Kurfürsten besiegten Feinde angekettet. Auf dem Wappenschild dankt der Sohn in lateinischer Sprache seinem Vater, dem Kurfürsten.

Das Schloss wurde im Krieg schwer beschädigt. Der Großteil der prunkvollen Schlosssäle wurde mittlerweile restauriert. Im sogenannten Alten Schloss, dem Hauptgebäude am Ehrenhof, erstrahlen die barocken Wohn- und Paradekammern des ersten preußischen Königspaares in altem Glanz. Überwältigend reich geschmückt sind das chinesische Porzellankabinett und die Schlosskapelle. Im selben Trakt befinden sich auch die Wohnräume von Friedrich Wilhelm IV. und Königin Elisabeth mit der glanzvollen Hoftafel- und Silberkammer. Im neuen Flügel kann man die im friderizianischen Rokoko ausgestatteten, beeindruckenden Wohnungen und Festsäle Friedrichs des Großen besuchen. Besonders großzügig ist die 42 m lange goldene Galerie, die mit fantasievollen, vergoldeten Stuck verziert ist. Französische Gemälde hängen in den Wohnräumen des Alten Fritz . Zu sehen sind weiterhin die Winterkammer Friedrich Wilhelms II. und das von Schinkel gestaltete Schlafzimmer der Königin Luise. Natürlich ist im Schloss auch die Namenspatronin Sophie Charlotte zugegen – auf eine Ölgemälde von Friedrich Wilhelm Weidemann. Den Schlossgarten betritt man am schnellsten rechts am neuen Flügel vorbei, vor dem die Statuen der beiden Schlossherren stehen: links Friedrich I. und rechts Friedrich II. Für Friedrich Wilhelm III. baute Karl Friedrich Schinkel gleich den dem neuen Flügel den neuen Pavillon. Im Schloss Charlottenburg finden verschiedene Veranstaltungen statt, man kann dort auch heiraten und Eheschließungen durchführen lassen.

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